KINOBLOG

Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler

Kategorie: Ophüls-Festival (Seite 2 von 2)

In aller Kürze: So war die Ophüls-Eröffnung

Max Ophüls

 

Am Ende konnte man durchaus feuchte Augen bekommen. Nicht einmal aus Dankbarkeit dafür, dass die Eröffnung ohne staatstragende Polit-Reden auskam, und das sogar in Wahlkampfzeiten; sondern aus Rührung ob der Rede von Produzent und Ehrenpreisträger Peter Rommel, der am Ende seinen drei Kindern dankte: „Ich lieb Euch so sehr.“ Seine Mutter hatte der 61-Jährige gleich mitgebracht; die habe ihm immer die Zuversicht gegeben, dass aus ihm mal etwas werde, „trotz Notenschnitt 3,8 bei der Mittleren Reife“. Da war auch Rommels geografischer Fauxpas vergessen, mit dem er aus der Landeshauptstadt gleich „das Land Saarbrücken“ machte. So klein ist das Saarland dann doch nicht.

Rommels Rede war das schöne Finale der zügigen, von Tania Carlin moderierten Eröffnung gestern Abend im großen und proppenvollen Saal 11 des Cinestar. Svenja Böttger, die neue Leiterin des Festivals, zeigte den neuen Preis mit einer Kugel im klassischen Ophüls-Blau, umrundet von herzförmigem Stahl. Der neue Festivaltrailer, jazzig und mit Retro-Aroma ist sehr gelungen.

Und von Jurymitglied Andrea Sawatzki erfuhr man, was ein Festival und die Juryarbeit mitunter so angenehm macht, gerade wenn man Familie hat: „Man hat endlich mal die Freiheit, in Ruhe vier Filme am Stück zu sehen.“

Interview mit Ophüls-Leiterin Svenja Böttger

Svenja Böttger

Am Montag beginnt das 38. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken. Es ist das erste für die neue Leiterin Svenja Böttger. Ein Interview vorab.

 

Wie geht es Ihren Nerven vor dem ersten Festival?

Die Nerven sind in Ordnung, aber ich bin froh, dass es jetzt losgeht.

Wenn man als neue Festivalleiterin zu wenig ändert, kann der Eindruck entstehen, man habe zu wenig Ideen. Ändert man zu viel, verschreckt man eventuell das Stammpublikum. Hatten Sie die Angst, nicht das richtige Maß zu finden?

Diese Angst sitzt einem natürlich immer im Nacken. Aber wir haben uns als Team Zeit und Ruhe genommen, uns alles anzuschauen, über das Festival zu reden, sein Fundament und die Eckpfeiler.

Was ist das Fundament?

Der Wettbewerb. Und der ist gut, so wie er ist. Aber über einige Änderungen abseits des Wettbwerbs freuen sich schon viele Filmemacher – etwa dass wir jetzt einen Animationsblock in der MOP-Shortlist haben und dass wir dort auch Kurzdokumentarfilme zeigen. Ob das Ganze Erfolg hat, kann man aber erst nach dem Festival beurteilen.

Trotz der Unruhe des vergangenen Jahres sind die Sponsoren dem Festival treu geblieben, wonach es erst einmal nicht ausgesehen hat.

Wir haben uns in Ruhe kennengelernt, es waren gute, herzliche Gespräche, da gibt es gegenseitiges Vertrauen.

Schätzen Sponsoren vor allem die medial gut zu nutzenden Glamour-Momente mit Rotem Teppich und Stars?

Nein, das halte ich für ein Klischee. Wir haben sehr viele Unterstützer, die sehr filmaffin sind, sehr aufmerksam der Sache gegenüber. Die schauen sich die Ophüls-Filme auch wirklich an.

Gibt es im Spielfilmwettbewerb einen Trend?

Die großen Themen – Erwachsenwerden, den Platz in der Gesellschaft finden, Flucht und Migration – sind verpackt in kleinere, persönliche Geschichten. Das ist ein neuer Ansatz. Auffallend sind auch viele Elternthemen, viele Eltern-Kind-Konstellationen in den Filmen.

In diesem Jahr sind auch mehr Filme von Regisseurinnen zu sehen als sonst.

Das Angebot war dankenswerterweise groß. Es tut den Geschichten gut, dass sie mal aus dieser Sicht erzählt werden. In diesem Jahr hat sich da viel verändert.

Sie haben also bei der Auswahl nicht darauf geachtet, eine Art Frauenquote zu erfüllen?

Überhaupt nicht. Wir fanden das Angebot gut und können mit den Produktionen zeigen, dass sich da in der Filmlandschaft etwas ändert. In den Filmhochschulen werden mehr Frauen als Männer ausgebildet – lange Zeit stammten die Debütfilme, die zweiten und dritten Filme aber eher von Männern. Das ändert sich langsam, und wir sind froh, das abbilden zu können.

Der Festivalclub „Lolas Bistro“ ist diesmal im alten C&A-Gebäude, das sieben Jahre lang leer stand. Wie kamen Sie darauf?

Wir haben uns generell viele Event-Orte angeschaut. Der Charme des E-Werks ist für die Preisverleihung genau passend. Bei der Suche nach „Lolas Bistro“ wurde uns klar, dass es in Saarbrücken nicht viele Orte gibt, die unsere Anforderungen erfüllen: Raum für Gespräche, Platz für viele Leute, zentrale Lage in der Stadt. Das C&A fanden wir auf Anhieb toll.

Ist der Ort auch für nächstes Jahr geplant?

Dazu ist es viel zu früh. Das Publikum muss den Ort ja erst einmal annehmen. Und vielleicht tut sich mit dem Haus ja etwas, so dass wir es 2018 nicht mehr nutzen können.

Das Gloria als Ort kam 2016 nicht bei allen gut an.

Ja, aber diesem Ort muss man eine Chance geben. Dort geschieht gerade einiges, die alten Separees werden abgerissen, und der alte Kinoboden ist zum Teil wieder hergestellt, was sehr schön ist.

Das Festival vergibt 15 Preise, dotiert insgesamt mit über 100 000 Euro. Sinn das nicht zu viele Preise?

Nein – wir haben vier Wettbewerbe, für die es jeweils mindestens zwei Preise gibt. Im Spielfilmwettbewerb muss man in jedem Fall die Regie auszeichnen, den besten Film sowieso. Dass man Nachwuchsdarsteller mit einem Preis in den Fokus stellt, ist selbstverständlich. Das man mit dem Preis der Jugendjury schaut, was den jungen Zuschauern gefällt, auch. Jeder Preis hat seine Daseinsberechtigung für das, was wir hier tun – Nachwuchs präsentieren und Talente auszeichnen.

Was machen sie am Montag nach Ihrem ersten Festival?

Der Montag ist unser Abbau-Kampftag. Am Dienstag machen wir ein Frühstück mit dem ganzen Team, dann schlafen wir alle mal aus. Ein paar Tage später geht es zur Berlinale, wo der Ophüls-Gewinnerfilm laufen wird. Und im Februar bekommen wir schon die erste Filmeinreichung für 2018.

 

Ophüls: „Konstruktion“ von Helena Lucas im Mittellangen Wettbewerb

Helena Lucas

Beim Ophüls-Festival läuft als Uraufführung  im Wettbewerb des Mittellangen Films „Konstruktion“ – ein sehenswerter Film über ein Paar, das langsam auseinanderdriftet, bis es eine – digitale – Lösung gibt. Ein origineller Film, der drohende Klischees umgeht und seine Figuren nicht vorschnell bewertet. Helena Lucas (25) hat den Film inszeniert – ein Gespräch dazu vorab.

Gut läuft es nicht bei Leon und Jennifer. Der Architekt arbeitet Tag und Nacht an einem Großentwurf, sie designt eher im Kleinen ein Sofa aus Gras. Er sagt beim Skizzieren einer „gated community“ dass er „Verantwortung übernimmt“ und „das alles doch nur für uns“ macht. Sie sagt, „ich verkaufe nicht meine Seele, indem ich Zäune baue“. Die Distanz wächst, Leon versinkt immer öfter (und tiefer) in seinen raumgreifenden 3D-Entwürfen aus dem Rechner, bis ihm aus denen etwas Wunderbares erwächst – eine digitale Kopie von Jennifer (für die reale Jennifer unsichtbar), aber etwas  verständnisvoller, etwas mütterlicher – statt Protesten gibt es für ihn ein Pflaster. Aber wie soll das gutgehen, ist die reale Jennifer doch auch noch da?

Diese Geschichte erzählt „Konstruktion“ von Helena Lucas, zu sehen im Mittellangen Wettbewerb. Ihr halbstündiger Film weicht drohenden Klischees aus, erweckt Verständnis für beide Figuren, macht die frustrierte Frau nicht zur Nervensäge, den Architekten nicht zum Opfer, der sich schließlich zu einer digitalen Männerfantasie flüchtet – es bleibt ambivalent. „Diese Ambivalenz war mir sehr wichtig“, sagt Lucas, die es im letzten Bild zu einer Art Synthese kommen lässt, denn „es muss keine Konkurrenz zwischen Technik und Mensch geben – sie können sich ergänzen“. Der Film ist die praktische Abschlussarbeit von Helena Lucas an der Internationalen Filmschule Köln. 1991 in Saarbrücken geboren, in St. Ingbert aufgewachsen, begann sie an der Saar-Uni ein Studium der Psychologie. „Ich hatte das Gefühl, dass ich das gut gebrauchen kann – egal, was ich mal werde. Mich interessiert, warum der Mensch sich so verhält wie er sich verhält. Das ist die Grundmotivation, die mich in der Wissenschaft so interessiert wie in der Kunst als Filmemacherin. Ich habe jetzt nur die Perspektive gewechselt. Ich will verstehen, wie der Mensch tickt.“

Als Lucas sich parallel an der Internationalen Filmhochschule Köln bewarb und dort angenommen wurde, brach sie das Studium ab, ohne lange zu grübeln. „Das Kreative hat mir im Wissenschaftsstudium schon gefehlt.“ In Köln war sie „ein Kuriosum, ein kompletter Quereinsteiger ohne Vorerfahrung. Das war damals die einzige der renommierten Filmschulen, die keine filmische Vorerfahrung verlangt hat. Ich hatte nie einen Film vorher gedreht.“ Das tat sie dann dort – erste Kurzfilme entstanden, die, wie Lucas erklärt, nicht immer linear von Anfang bis Ende erzählten, dabei oft ein Element des Fantastischen besaßen und mit Möglichkeiten der Realität spielten, damit, was real, was fiktiv ist.

Helena Lucas

Zur Idee von „Konstruktion“ brachte sie der Blick auf eine „Generation, die sich daran gewöhnt hat, dass man bei digitalen Daten, Fotos, Musik, Filmen, alles so verändern kann, wie man es gerne hätte. Alles steht offen, alles kann man sich so machen wie man es möchte. Aber wie gehen wir mit Menschen um, die so undigital sind, die ihre eigenen Widerstände haben, die man nicht einfach so an- und ausschalten kann? Es stellt sich die Frage, ob wir nicht die Fähigkeit verlieren, uns mit so etwas Widerständigem wie dem Menschen auseinanderzusetzen.“
Nur – war der Mensch nicht immer schon so, dass er versucht hat, sich die Welt so zu verändern, wie er will, sozusagen untertan zu machen? „Das schon“, sagt Lucas“, aber die Digitalisierung sei jetzt das Werkzeug dazu, das sie allerdings nicht verdammen will. „Aber der Mensch ist keine Technik und kann auch nicht so behandelt werden wie Technik.“ Dass Leons Freundin gar nicht merkt, dass sie ihren Freund mit einer digitalen Version ihrer selbst teilt, „ist nicht der klassische Betrug“, sagt Lucas. „Er hat ein Komplement gefunden, was ihm Rückendeckung gibt und die Schulter zum Anlehnen. Dadurch geht es ihm besser und damit auch der Beziehung.“ Ist nun moralisch oder nicht? „Darüber kann und soll man diskutieren.“

Der Film bietet einige knifflige Effekte, die Computersimulation eines Architektur-Computerprogramms und vor allem Doppelgänger-Bilder, die völlig real erscheinen. Wie macht man das bei einem Studentenfilm ohne Budget? „Es war eine Riesenherausforderung und hat viel mehr Raum eingenommen, als wir vorher gedacht hatten“, erzählt Lucas. Ein Student des Fachbereichs „Visual Arts“ – Dimitri Makrinic – stieg ins Team ein, „wir mussten viel planen, viel testen – der Schauspieler arbeitet in der Kulisse mit nichts“. Der Aufwand war groß, die Nachbearbeitung lang: ein halbes Jahr, während die Drehzeit nur zehn Tage lang dauerte – aber es hat sich sichtlich gelohnt.

 

Für „Konstruktion“ konnte Lucas bekannte Darsteller gewinnen: Jacob Matschenz, 2005 bei Ophüls als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet, und Luise Helm, nebenbei die deutsche Synchronstimme von Scarlett Johansson. Selbstverständlich ist das nicht. „Als Filmstudent kann man ja keine Gage zahlen“, sagt Lucas, „das ist für viele Darsteller natürlich unattraktiv – aber coole Schauspieler machen mit, wenn ihnen das Drehbuch gefällt oder sie mal eine Rolle spielen können, für die sie sonst nicht besetzt werden.“ Harmonisch sei die Arbeit vonstatten gegangen erzählt Lucas, mit einem besonderen Glücksmoment für die Regisseurin, als nämlich beide Darsteller Anspruch erhoben auf die Gestaltung der digital erträumten Jennifer – Helm als ihre Darstellerin, Matschenz als Darsteller, der sich die Figur erträumt. „Das war ein bisschen absurd und großartig zugleich – beide haben sich sehr reingehängt.“

Zurzeit bereitet Lucas ihr Langfilmdebüt vor, Arbeitstitel „Doppelspiel“, es wird wieder ein Blick in die Zukunft. „Ich mache ja gerne ‚Was wäre wenn’-Filme“, sagt Lucas, „die mit einer Prämisse spielen, die jetzt noch nicht ist, aber in ein paar Jahren gesellschaftlich so sein könnte.“ Um ein Schulsystem der Zukunft soll es gehen, „alle Kinder besuchen dieselbe Schule, lernen dasselbe. Am Ende gibt es kein Abitur, sondern einen Test, bei dem es nicht nur um das Wissen geht, sondern der den Menschen in seiner Gänze erfassen soll – inklusive Gesundheit, Körper, Gene.“ Dieser Test glaubt voraussagen zu können, womit der Getestete später Erfolg haben wird – und schreibt ihm deshalb die Berufswahl vor.  „Der Film beschreibt ein System, das die Leistungsgerechtigkeit erprobt: Wie funktioniert eine Gesellschaft, die weiß, was die Menschen leisten können – und sie dann darauf drängt, das auch zu leisten.“ Ist das gerecht oder nicht? „Das ist die Frage.“

Regie: Helena Lucas; Buch: Sebastian Köthe; Kamera: Björn Weber; Schnitt, Musik: Marco Heibach; Darsteller: Jacob Matschenz, Luise Helm.

Termine: „Konstruktion“ läuft am Dienstag, 22.45 Uhr, im Cinestar 3; Mittwoch 19.45 Uhr Kino Achteinhalb, Freitag 14 Uhr Cinestar 4, Sonntag 15.30 Uhr Filmhaus.

www.facebook.com/konstruktionfilm

 

Helena Lucas

Ein Blick ins alte „C&A“, das bei Ophüls zu „Lolas Bistro“ wird

Beim kommenden Filmfestival Max Ophüls Preis (23.-29. Januar) wird ein Ort zum Festivalclub „Lolas Bistro“, der seit sieben Jahren geschlossen vor sich hin dämmerte: das alte C&A-Gebäude. Heute konnte man sich das alte Kaufhaus nach einigen Jahren mal wieder anschauen – hier einige Bilder.

 

Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A Lolas Bistro C&A

 

 

 

 

Frische Filme und ein altes Kaufhaus: Neues vom Saarbrücker Ophüls-Festival

Ophüls Preis Svenja Böttger

Die neue Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis, Svenja Böttger, hat gestern das kommende Programm vorgestellt. Sie setzt auf Kontinuität, bietet aber auch neue Reihen und einen interessanten Standort für den Festivalclub: das alte, seit sieben Jahren leerstehende Gebäude von C&A in Saarbrücken.

Angespannt war sie, die Ophüls-Pressekonferenz vor einem Jahr – mit Leiterin Gabriella Bandel, die ihr letztes Festival antrat, Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) und kollektivem Schweigen über die Umstände von Bandels Abschied. Ein Jahr später, beim Pressetermin im E-Werk gestern, ist die Stimmung besser. Brück zeigt sich zufrieden darüber, dass „99 Prozent der Sponsoren weiter dabei sind“.

Die neue Leiterin Svenja Böttger setzt auf Kontinuität mit sachten Veränderungen – etwa den neuen Blick auf europäische Filmhochschulen (in diesem Jahr La Fémis in Paris). Thematisch verspricht sie ein formal wie inhaltlich abwechslungsreiches Programm, in dem es etwa um die „Familie geht, in sehr privaten Geschichten“, um alternative Lebensentwürfe und den ständigen Konflikt zwischen „der persönlichen Freiheit und der Gesellschaft“. Programmleiter Oliver Baumgarten ergänzt, dass sich beim Thema Flucht und Migration gegenüber 2016 die Schwerpunkte verschoben haben: „Im letzten Jahr war die Frage oft, wer denn eigentlich zu uns kommt. In diesem Jahr fragen die Filme danach, wie wir als Gesellschaft darauf reagieren.“ Auffällig seien 2017 die vielen Frauenfiguren, inszeniert von mehr Regisseurinnen als je zuvor: „17 von 28 Langfilmen des Wettbewerbs – inklusive Dokumentationen – stammen von Frauen.“

Ein Coup ist der Standort von Lolas Bistro: Nach vielen Jahren in der Garage und dem etwas glücklosen Versuch 2016 im Gloria zieht der Club des Festivals nun an einen Ort, der seit sieben Jahren im Dornröschenschlaf dahinschlummert: das ehemalige C&A-Gebäude in der Viktoriastraße 25. „Barrierearm“ werde der sein, sagt Böttger, mit Aufzügen und gut zugänglichen Toiletten. Anschauen kann man sich dort neben der Filmbilder-Installation „Lost Reels“ auch die dokumentarische Web-Serie „True Stories“, in der Menschen in aller Kürze aus ihrem Leben erzählen. „True Stories“ läuft in der neuen Reihe MOP-Visionen, die, wie Baumgarten sagt, neue Ästhetiken und formale Ideen zeigen will und dafür „ganz bewusst aus dem Kinosaal rausgeht“. Da ist etwa der fünfminütige Film „Die Santa Maria“, von Erik Schmitt mit dem Handy gedreht – und eben nur fürs Handy. Den Film kann man nur im Foyer des Cinestar auf entsprechenden Geräten sehen.

Ehrengast Michael Verhoeven („Die weiße Rose“) zeigt vier Filme und berichtet von seiner Arbeit als Produzent mit seiner Firma „Sentana“, zusammen mit seiner Firmenpartnerin und Gattin Senta Berger. Zudem wird Verhoeven mit Marcel Ophüls diskutieren, Oscarpreisträger und Sohn des Festival-Namensgebers. An den wird mit einer Vorführung des Films „Madame de…“ gedacht; Regisseur Christoph Hochhäusler („Unter dir die Stadt“) stellt ihn vor. Eine Perle im Programm. Auch Prominenten wird man über den Weg laufen: Schauspielerin Andrea Sawatzki ist bei der Spielfilm-Jury dabei, Anna Thalbach beim Kurzfilm; angesagt haben sich etwa auch Anna Fischer („Fleisch ist mein Gemüse“), Lars Rudolph („Er ist wieder da“), Jacob Matschenz („Heil“) und Marie-Lou Sellem („Exit Marrakech“).

In Zusammenarbeit mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) und deren K8 Institut widmet sich das Festival „Virtuellen Realitäten“ (VR) – in der HBK gibt es eine „VR-Lounge“, in der man sich mit neuer Technologie und damit einhergehenden neuen Erzählformen beschäftigen kann. Ob das nun die Zukunft des Films ist, versucht eine Diskussion dort zu klären.

 

Termine

Blaue Stunde mit dem Beginn des Kartenverkaufs am Samstag ab 14 Uhr in der Galerie im Filmhaus.

Festivaleröffnung am Montag, 23. Januar, 19.30 Uhr, im Cinestar mit Verleihung des Ehrenpreises an Produzent Peter Rommel und der deutschen Erstaufführung „Die Nacht der 1000 Stunden“ von Virgil Widrich.

Lolas Bistro in der Festivalwoche von Dienstag bis Freitag im Ex-C&A-Gebäude, jeweils ab 21 Uhr, SR-Mitternachtsgespräche jeweils ab 23 Uhr.

Preisverleihung: Samstag, 28. Januar, ab 19.30 Uhr im E-Werk auf den Saarterrassen, danach Filmparty mit DJs.

Neuere Beiträge

© 2018 KINOBLOG

Theme von Anders NorénHoch ↑